Wie Digitalisierung unsere Räume und unsere Mobilität verändert – Perspektiven aus Fachwelt, Medien und Politik
Die Intention des Beitrags ist es, einen kompakten Überblick darüber zu geben, wie Digitalisierung und Medialisierung die räumliche und soziale Mobilität verändern. Dabei werden unterschiedliche Perspektiven aus Fachwelt, Medien und Politik zusammengeführt, um sowohl Chancen als auch Risiken sichtbar zu machen.
Der Beitrag versteht sich ausdrücklich nicht als vollständige Bestandsaufnahme, sondern als Anregung für die weitere fachliche und gesellschaftliche Diskussion im Rahmen der DASL-Jahrestagung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die digitale Transformation so gestaltet werden kann, dass sie Mobilität, Teilhabe und sozialen Zusammenhalt stärkt, ohne neue Ungleichheiten zu erzeugen.
Autorin: Dr. Martina Stepper
27. August 2026
Medialisierung und Digitalisierung betreffen mittlerweile nahezu alle Lebensbereiche und haben weitreichende Folgen, u. a. für die räumliche und soziale Mobilität. Genau diese Zusammenhänge stehen bei der diesjährigen Jahrestagung der DASL im Fokus.
Entsprechend der großen Bandbreite des Themas gibt es national wie international zahlreiche Studien, Strategien und Publikationen mit unterschiedlichen Ziel- und Schwerpunktsetzungen sowie vielfältigen Handlungsempfehlungen.
Mit Blick auf die Jahrestagung „Menschen und Räume in Bewegung: Eine andere Kultur der Mobilität als Basis für sozialen Zusammenhalt“ und den zugehörigen Schwerpunkt „Medialisierung und Digitalisierung“ möchte ich im Folgenden einen kurzen Überblick über ausgewählte Meinungen, Thesen und Strategien aus Fachwelt, Medien und Politik geben. Der Überblick erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll vor allem einige Anregungen für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema geben.
Perspektiven aus der Fachwelt
Eine interessante Fachpublikation hat die Österreichische Raumordnungskonferenz (ÖROK) im Rahmen einer Partnerschaft zum Österreichischen Raumentwicklungskonzept und auf Grundlage von drei vorangegangenen Studien herausgegeben. Die Publikation beschäftigt sich ausführlich mit den räumlichen Dimensionen der Digitalisierung und betrachtet unter anderem deren Auswirkungen auf Mobilität und Verkehr.
Eine zentrale These lautet, dass ein starker Zusammenhang zwischen individueller Mobilität und dem jeweiligen Wohn- und Arbeitsort sowie den Orten, die in der Freizeit aufgesucht werden, besteht. Gleichzeitig wird herausgestellt, dass sowohl die zurückgelegten Distanzen als auch die Art und Weise, wie Menschen mobil sind, von den jeweils verfügbaren Technologien abhängen. Die Digitalisierung wird dabei eindeutig als Hoffnungsträger einer neuen Mobilität gesehen, die sich von der „Mobilität im Besitz“ zur „Mobilität als Service“ wandelt (ÖROK 2022: 91):
ÖROK (2022): Räumliche Dimensionen der Digitalisierung – Fachliche Empfehlungen und Materialienband, Download unter: https://www.oerok.gv.at/fileadmin/user_upload/publikationen/Schriftenreihe/213/OERO K_SR_213_Raeumliche_Dimensionen_der_Digitalisierung.pdf (Stand: 21.08.2026).
Mit dem Einfluss der Digitalisierung auf die soziale Mobilität befasst sich die Publikation „Zum Funktionswandel des Sozialraums durch das Internet“ von der Sozialpädagogin Jennifer Kreß. Darin wird die Bedeutung des Sozialraums als Begegnungs-, Identitäts- und Bildungsraum thematisiert und beschrieben, wie sich dessen Funktionen durch die Digitalisierung verändern.
Nach Kreß erweitert das Internet den Sozialraum um virtuelle Möglichkeiten, insbesondere in den Bereichen Begegnung, soziale Beziehungen, Identitätsbildung und Bildung. Räumliche und soziale Grenzen verlieren dadurch teilweise an Bedeutung. Im Hinblick auf gesellschaftliche Teilhabe sieht Kreß insbesondere im Bildungsbereich neue Chancen. Niedrigschwellige digitale Zugänge, Partizipation und kollaboratives Lernen können ihrer Meinung nach dazu beitragen, Bildungsteilhabe und chancengleiches Lernen zu fördern. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass digitale Angebote bestehende Ungleichheiten nicht automatisch beseitigen, da digitale Teilhabe entsprechende Kompetenzen voraussetzt:
Jennifer Kreß (2010): Zum Funktionswandel des Sozialraums durch das Internet, Download unter: https://www.sozialraum.de/zum-funktionswandel-des-sozialraums-durch-das-internet.php (Stand: 21.08.2026).
Während Kreß die Teilhabe vor allem aus bildungsbezogener Perspektive betrachtet, nimmt die Publikation „Monitor der Qualität lokaler Öffentlichkeit“ aus der vhw-Schriftenreihe eine stärker politische Perspektive ein. Untersucht wird, wie lokale Öffentlichkeit, politische Kommunikation und gesellschaftliche Teilhabe in deutschen Städten unter den Bedingungen des digitalen und gesellschaftlichen Wandels funktionieren.
Eine zentrale Aussage ist, dass sich lokale Öffentlichkeit durch Digitalisierung grundlegend verändert – von einer zentralisierten, institutionell geprägten hin zu einer digitalisierten, interaktiveren und pluralisierten, zugleich aber fragmentierten Struktur aus verschiedenen Teilöffentlichkeiten. Dabei stellt Kreß die Frage, wie „Teilhabe und Teilnahme an demokratischen Prozessen“ unter den Bedingungen gesellschaftlicher Komplexität und zunehmender Diversität weiterhin ermöglicht werden können (vhw 2021: 2):
vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. (Hrsg.) (2021): Monitor der Qualität lokaler Öffentlichkeit, Download unter: https://www.vhw.de/publikation/monitor-der-qualitaet-lokaler-oeffentlichkeit/ (Stand: 21.08.2026).
Darüber hinaus lohnt sich ein Blick auf die Veröffentlichungen des Instituts für Wirtschaft und Stadt (inwista) zum Forschungsschwerpunkt „Neue Ökonomien und urbaner Wandel“. Sie beschäftigen sich mit dem Einfluss großer Digitalunternehmen auf die Stadtentwicklung und damit verbundenen Veränderungen räumlicher Strukturen, von Wohnstandorten und Arbeitsplätzen sowie der städtischen Teilhabe:
Publikationen des Instituts für Wirtschaft und Stadt (inwista), Abruf unter: http://inwista.de/publikationen (Stand: 21.08.2026).
Gemäß Felix Hartenstein lassen sich zwei verschiedene Tendenzen der Einflussnahme feststellen: Einerseits beeinflussen Digitalunternehmen durch die Größe und Bedeutung ihrer Standorte das urbane Gefüge, andererseits greifen sie zunehmend durch eigene Stadtentwicklungs- und Immobilienprojekte in die Stadtentwicklung ein:
Hartenstein, Felix (18.12.2018): Die neuen Städtebauer, Abruf unter: https://www.forbes.at/artikel/digitalunternehmen-die-neuen-staedtebauer (Stand: 25.08.2026)
Digitalisierung in den Medien
Nicht nur die Fachwelt beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Medialisierung und Digitalisierung auf räumliche und soziale Mobilität. Auch journalistische Medien greifen das Thema zunehmend auf.
So macht ein Hörbeitrag des Deutschlandfunks aus dem Jahr 2019 deutlich, dass Digitalisierung Stadtentwicklung nicht nur effizienter oder komfortabler macht, sondern auch Machtverhältnisse innerhalb der Stadt verändern kann. Wer digitale Plattformen, Daten und Algorithmen kontrolliert, kann zunehmend mitbestimmen, wie Menschen sich durch die Stadt bewegen, welche Orte sie wahrnehmen, wo sie einkaufen, wohnen oder sich aufhalten und wie öffentlicher Diskurs stattfindet. So verändert laut Mark Graham, Gesprächspartner im Hörbeitrag und Leiter des Lehrstuhls für Internet-Geographie in Oxfort, u. a. Google Maps die Raumwahrnehmung. „Was hier nicht verzeichnet ist, wird von Vielen gar nicht mehr gesehen.“ (Graham in: Beckmann 09.06.2019):
Beckmann, Andreas (09.06.2019): Urbanes Leben – Die Digitalisierung verändert die Stadt, Abruf unter: https://www.deutschlandfunk.de/urbanes-leben-die-digitalisierung-veraendert-die-stadt-100.html (Stand: 21.08.2026).
Neben den hier beschriebenen, durchaus nachdenklich stimmenden Auswirkungen der Digitalisierung auf die Wahrnehmung und Nutzung urbaner Räume, lassen sich jedoch auch positive Potenziale für die räumliche Mobilität feststellen. Dies zeigt sich insbesondere mit Blick auf den öffentlichen Nahverkehr in ländlichen Räumen. Ein Interview mit dem Architekten Philipp Oswalt im SPIEGEL verdeutlicht, dass digitale Technologien dazu beitragen können, bestehende Mobilitätsangebote flexibler an die tatsächliche Nachfrage anzupassen. Oswalt bezeichnet in diesem Zusammenhang On-Demand-Shuttle-Busse als große Chance für ländliche Räume:
Manuel Berkel (17.10.2020): „Auf dem Land ist der Linienbus ein Auslaufmodell“, Abruf unter: https://www.spiegel.de/mobilitaet/nahverkehr-auf-dem-land-auf-dem-land-ist-ein-auslaufmodell-a-d9ee54b7-c14d-43e1-a9de-1c326df91d24 (Stand: 21.08.2026).
Das Thema des bedarfsgesteuerten Verkehrs wird aktuell auch im Forschungsprojekt „EMILIA – Optimierung des intermodalen Verkehrs im ländlichen Raum“ an der Hochschule Hof untersucht. Das Projekt läuft noch bis 2027.
Hochschule für angewandte Wissenschaften Hof (Hrsg.) (2026): „Keine Fahrer, keine Kunden? – Ein flächendeckendes ÖPNV-Angebot für den ländlichen Raum“, Abruf unter: https://campuls.hof-university.de/wissenschaft-forschung/keine-fahrer-keine-kunden-ein-flaechendeckendes-oepnv-angebot-fuer-den-laendlichen-raum/ (Stand: 21.08.2026).
Was sagt die Politik?
Auch auf den politischen Ebenen wird intensiv über den Umgang mit und die Folgen von Medialisierung und Digitalisierung für Raum und Mobilität diskutiert. Entsprechend entstehen Strategien, Programme und konkrete Maßnahmen.
Auf kommunaler Ebene nehmen laut dem „Smart City Index“ der Bitkom insbesondere Großstädte eine Vorreiterrolle ein. So setzt die im Index erstplatzierte Stadt München digitale Werkzeuge gezielt ein, um die Mobilitätswende voranzutreiben. Übergeordnetes Ziel ist das Prinzip der „Stadt im Gleichgewicht“. Dabei werden soziale Teilhabe, ökologische Ziele und moderne Verkehrssteuerung über Datenplattformen miteinander verknüpft:
Bitkom (Hrsg.) (11.09.2025): Presseinformation zur Pressekonferenz. Smart City Index 2025: Stuttgart verdrängt Köln von Platz 3, Abruf unter: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Smart-City-Index-2025-Stuttgart-verdrängt-Koeln (Stand: 21.08.2026).
In Bezug auf die Mobilität werden gemäß der Digitalisierungsstrategie „München digital – Digitalisierungsstrategie der Landeshauptstadt München“ zwei zentrale Ziele verfolgt: Die Stadt setzt Digitalisierung gezielt zur Unterstützung der Mobilitätswende ein und strebt an, den Anteil klimafreundlicher Mobilitätsformen deutlich zu erhöhen. Gleichzeitig sollen Mobilitätsdaten umfassend verfügbar gemacht werden, um den Zugang zu integrierten Angeboten zu verbessern und eine bedarfsgerechte Verkehrsplanung und Weiterentwicklung der Mobilitätsangebote zu ermöglichen (Stadt München 2025: 32):
Stadt München (Hrsg.) (2025): München digital – Digitalisierungsstrategie der Landeshauptstadt München, Abruf unter: https://risi.muenchen.de/risi/dokument/v/8837010 (Stand: 24.08.2026).
Dass sich Kommunen nicht nur intern mit Digitalisierung beschäftigen, sondern auch die Öffentlichkeit einbeziehen, zeigt beispielhaft ein Beitrag des Leipziger Stadtmagazins Ahoi. Darin wird herausgestellt, dass Technologie und Digitalisierung nahezu alle Bereiche des städtischen Lebens verändern – von Mobilität und Infrastruktur über Nachbarschaft und Kultur bis hin zu demokratischer Beteiligung.
Die Auswirkungen werden dabei differenziert betrachtet: Digitale Technologien können das Stadtleben effizienter, zugänglicher und stärker vernetzt machen. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen, etwa durch digitale Ungleichheit und Fragen des Datenschutzes:
Stefan Felgenhauer (Hrsg.) (16.03.2026): Städte im Wandel – Wie beeinflusst Technologie unser Stadtleben?, Abruf unter: https://ahoi-leipzig.de/artikel/wie-beeinflusst-technologie-unser-stadtleben-5867/ (Stand: 21.08.2026).
Neben den Kommunen positionieren sich auch die Bundesländer zum Thema. Mittlerweile verfügen alle 16 Bundesländer über eine Digitalisierungsstrategie. Darin wird die Digitalisierung gezielt als Werkzeug genutzt, um physische Mobilität effizienter zu gestalten und gesellschaftliche Barrieren abzubauen.
Die rheinland-pfälzische Digitalstrategie „Wir vernetzen Land und Leute – Digitalstrategie für das Land Rheinland-Pfalz 2026/2027“ legt bspw. einen starken Fokus auf die besonderen geografischen Bedingungen des Landes. Als ausgeprägtes Flächenland steht die digitale Vernetzung des ländlichen Raums im Vordergrund. Ziel ist es u. a. Angebote und gesellschaftliche Teilhabe unabhängig vom Wohnort besser zugänglich zu machen (MASTD 2026: 26):
MASTD – Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz (2026): Wir vernetzen Land und Leute. Digitalstrategie für das Land Rheinland-Pfalz 2026/2027, Abruf unter: https://mastd.rlp.de/fileadmin/06/Service/Publikationen/Digitalisierung/RLP_Digitalstrategie2026-2027_bf.pdf (Stand: 21.08.2026).
Die fortgeschriebene Strategie „digital.LÄND“ aus Baden-Württemberg zielt ebenfalls darauf ab, durch die digitale Vernetzung von Mobilitätsdaten und Verkehrsträgern ein nachhaltigeres und nutzerorientiertes Mobilitätssystem zu schaffen. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Stärkung des ÖPNV, die Verknüpfung verschiedener Mobilitätsangebote sowie deren Weiterentwicklung in Stadt und Land (IM BW 2022: 43 ff.):
IM BW – Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg (Hrsg.) (2022): digital.LÄND. Digitalisierungsstrategie der Landesregierung Baden-Württemberg, Abruf unter: https://digital-laend.de/wp-content/uploads/2023/07/Digitalisierungsstrategie-digital.LAEND-Oktober-2022.pdf (Stand: 21.08.2026).
Hessen bündelt in seiner Digitalstrategie „Digitales Hessen – Wo Zukunft zu Hause ist“ die Auswirkungen der Digitalisierung auf räumliche und soziale Mobilität insbesondere in den Handlungsfeldern „Smart Region“ und „Digitale Gesellschaft“. Ein eigenes Handlungsfeld „Mobilität“ gibt es nicht.
Die Digitalisierung wird auch in dieser Strategie insbesondere für die ländlichen Räume als Chance gesehen. So eröffne die Digitalisierung ländlichen Orten und Regionen neue Möglichkeiten für wirtschaftliche Entwicklung und eine bessere Anbindung an andere Regionen und Ballungsräume, wodurch zugleich bestehenden oder drohenden Stadt-Land-Unterschieden entgegengewirkt werden könne (HMD 2021: 115):
HMD – Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung (Hrsg.) (2021): Digitales Hessen – Wo Zukunft zuhause ist. Strategiefortschreibung 2030, Abruf unter: https://digitales.hessen.de/sites/digitales.hessen.de/files/2023-02/01_pdf_digitalstrategie_gesamt_barrierefrei.pdf (Stand: 21.08.2026).
Auch in der „Digitalstrategie Deutschland“ des Bundes spielen die Auswirkungen der Digitalisierung auf räumliche und soziale Mobilität eine wesentliche Rolle. Während die Bundesländer häufig konkrete regionale Praxisprojekte anstoßen und umsetzen, schafft der Bund die strukturellen, rechtlichen und technologischen Rahmenbedingungen, um Mobilität im Raum zu verbessern und soziale Ungleichheiten abzubauen.
Die ursprünglichen Download-Links der Digitalstrategie laufen derzeit leider ins Leere. Daher sei an dieser Stelle alternativ auf folgenden Beitrag verwiesen:
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Hrsg.) (2026): Digitalstrategie der Bundesregierung. Strategie für einen digitalen Aufbruch, Abruf unter: https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/archiv-bundesregierung/digitalstrategie-2072884 (Stand: 21.08.2026).
Zudem wurde 2021 im Auftrag des Bundes unter Mitwirkung von Ländern und Kommunen die „Smart City Charta“ als fachlicher Leitfaden für die gemeinwohlorientierte Gestaltung des digitalen Wandels auf kommunaler Ebene veröffentlicht. Sie umfasst neben vier übergeordneten Leitlinien auch akteursspezifische Handlungsempfehlungen.
Eine zentrale Forderung besteht darin, den Zugang zu digitalen Infrastrukturen sowohl in urbanen Zentren als auch im ländlichen Raum zu schaffen und langfristig sicherzustellen. Damit soll eine wesentliche Grundvoraussetzung für die Entwicklung digitaler Kommunen und einer wissens- und technologiebasierten Wirtschaft geschaffen werden (BBSR 2021: 18):
BBSR – Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.) (2021): Smart City Charta – Digitale Transformation in den Kommunen nachhaltig gestalten, Abruf unter: https://www.smart-city-dialog.de/system/files/media/181/1689337882/2021_Smart-City-Charta.pdf (Stand: 24.08.2026).
Neben Bund und Ländern verfügt auch die Europäische Kommission über eine eigene Digitalstrategie. Diese zielt jedoch primär auf die digitale Transformation der eigenen Verwaltung hin zu einer nutzerorientierten und datengetriebenen Organisation und adressiert damit insbesondere die internen Verwaltungs- und Arbeitsprozesse der Kommission:
Europäische Kommission (Hrsg.) (2022): Digitalstrategie der Europäischen Kommission – Digitale Kommission der nächsten Generation, Abruf unter: https://commission.europa.eu/document/download/1ffd42a0-2a49-447b-b084-87ef9996ad13_de?filename=C_2022_4388_1_DE_ACT (Stand: 24.08.2026).
Interessanter ist daher ein Blick in die „Mobility Strategy“ der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2020. Die zentrale Aussage lautet: Mobilität in Europa soll gleichzeitig nachhaltig, intelligent und resilient werden, mit dem Ziel, die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen bis 2050 um 90 % zu senken. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um eine schrittweise Verbesserung, sondern um eine fundamentale Transformation des Verkehrssystems. Die Strategie verbindet deshalb Dekarbonisierung, Digitalisierung und Krisenfestigkeit (European Commission 2020: 3):
European Commission (Hrsg.) (2020): Sustainable & Smart – Mobility Strategy, Abruf unter: https://transport.ec.europa.eu/document/download/be22d311-4a07-4c29-8b72-d6d255846069_en?filename=2021-mobility-strategy-and-action-plan.pdf&prefLang=de (Stand: 24.08.2026).
Ein Thema mit vielen Facetten
Der Überblick versteht sich als erste Anregung für all diejenigen, die sich näher mit dem Schwerpunkt „Medialisierung und Digitalisierung“ und dessen Zusammenhang mit räumlicher und sozialer Mobilität auseinandersetzen möchten.
Die Beispiele zeigen: Medialisierung und Digitalisierung verändern nicht nur, wie wir kommunizieren und uns fortbewegen. Sie verändern auch, wie Räume funktionieren, wie Teilhabe ermöglicht wird und wer Zugang zu Informationen, Angeboten und Mobilität hat. Damit eröffnen sich neue Chancen, etwa durch flexible Mobilitätsangebote, digitale Bildungs- und Beteiligungsmöglichkeiten oder bessere Vernetzung. Der ländliche Raum könnte dabei zu den Profiteuren zählen. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen, wie digitale Ungleichheiten, Abhängigkeiten von Plattformen und Technologien, Datenschutz und die Frage, wer über Daten und Algorithmen verfügt.
Gerade das Spannungsfeld zwischen neuen Möglichkeiten auf der einen Seite und bestehenden bzw. neu entstehenden Ungleichheiten auf der anderen Seite zeigt, wie vielschichtig und diskussionsreich das Zusammenspiel von Medialisierung, Digitalisierung sowie räumlicher und sozialer Mobilität ist und wie viele Fragen für Wissenschaft, Politik und Gesellschaft weiterhin offenbleiben.