DASL Jahrestagung 2026 Menschen und Räume in Bewegung - Eine andere Kultur der Mobilität als Basis für sozialen Zusammenhalt

25.09.2026 bis 27.09.2026 • Altes Rathaus - Historischer Rathaussaal • Rathausplatz 2, 90403 Nürnberg

Mobilität gilt als Voraussetzung für Fortschritt, Wohlstand und gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig ist sie Ausdruck sozialer Ungleichheit und verursacht erheblichen Flächen- und Ressourcenverbrauch. Die DASL Jahrestagung 2026 in Nürnberg stellte deshalb die Frage, wie eine andere Kultur der Mobilität aussehen kann und welche Rolle Planung dabei spielt.

Mobilität treibt Fortschritt, Wohlstand und gesellschaftliche Teilhabe voran, spiegelt aber auch soziale Ungleichheit wider und verbraucht Flächen und Ressourcen. Die DASL Jahrestagung 2026 in Nürnberg fragte daher, wie eine neue Mobilitätskultur aussehen könnte und welche Rolle die Planung dabei spielt.

Im Zentrum der Tagung standen Diskussionen über nachhaltige Mobilität, die Teilhabe ermöglicht, statt Mobilitätszwänge zu schaffen. Rund 230 Fachleute aus Planung, Architektur, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft suchten nach Lösungen. Nach einem Get-together am Donnerstag begann die Tagung am Freitag im Historischen Rathaussaal. Dr. Nasser Ahmed, Dritter Bürgermeister von Nürnberg, verband in seiner Begrüßung persönliche Erfahrungen mit Mobilität, Teilhabe und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Unter der Moderation von Nicola Borgmann eröffneten Monika Thomas, Präsidentin der DASL, Robert Neuberger, Vorsitzender der DASL Landesgruppe Bayern, und Anne Keßler vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen den fachlichen Austausch. Dr. Julian Müller (Universität Hamburg) sprach in seiner Keynote über die „Dimensionen von Mobilität". Dr. habil. Weert Canzler (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) und Dr. Maria Lezzi, ehemals Schweizer Bundesamt für Raumentwicklung, boten Einblicke in die Verkehrswende und das „Agglomerationsprogramm und Raumkonzept" der Schweiz.

Die anschließende Diskussion mit den o.g. Teilnehmenden im Panel I „Mehr Beweglichkeit! – Mobilität für alle als soziale Herausforderung" drehte sich um Frage, ob wir mehr räumliche Beweglichkeit brauchen oder ob eine stärkere lokale Identifikation und bessere Lebensqualität den Mobilitätsbedarf senken können. Auch die Vereinbarkeit flexibler Arbeits- und Lebensweisen mit dem öffentlichen Verkehr wurde thematisiert. Die zentrale Frage lautete: Warum kommt die Mobilitätswende trotz langjähriger Konzepte nicht voran? Einigkeit bestand darin, dass es um das „Wie" der Umsetzung geht, wofür politischer Mut, Konsequenz und Durchhaltevermögen nötig sind. Botschaften wie „40 °C ist genug – handeln, und zwar jetzt!" betonten den Wunsch nach einer zukunftsfähigen Mobilitätskultur.

Unter der Moderation von Prof. Dr. Agnes Förster (RWTH Aachen) diskutierten im Panel II Prof. em. Dr. Alain Thierstein (TU München), Burkhard Horn (freiberuflicher Verkehrsplaner) und Prof. Dr. Henrike Rau (LMU München) über eine transformative Planungskultur für Stadt, Land und Region. Siedlungsstruktur, Mobilität und öffentlicher Raum müssen stärker verknüpft werden, um die Trennung von Stadt- und Verkehrsplanung zu überwinden. Langfristige Perspektiven sind entscheidend, ein Zeithorizont von 30 Jahren sinnvoll. Konsistentes Handeln auf allen föderalen Ebenen und ein gemeinsamer Diskurs über die Zukunft der Mobilität sind wichtig. Sichtbare Vorteile für die Menschen, etwa durch neue Angebote an Bahnhöfen, sind entscheidend für die politische Umsetzung. Temporäre Lösungen können neue Mobilitätsformen erproben.

Das dritte Panel an dem Tag moderierte Prof. Gunnar Heipp (IRAP, OST – Ostschweizer Fachhochschule). Gemeinsam mit Rainer Klostermann (Atelier 231), Prof. Manuel Bäumler (studio grüngrau) und Gisela Stete (freie Verkehrsplanerin) diskutierte er über die konkrete Gestaltung einer zukunftsfähigen Mobilitätskultur vor Ort. Beispiele aus dem DACH-Raum, wie die Glattalbahn und die Stadt-Umland-Bahn (StUB), zeigten die Potenziale kooperativer Verfahren, integrierter Planung und frühzeitiger Beteiligung. Ein Schwerpunkt lag auf der Förderung der Nahmobilität und dem Leitbild der „15-Minuten-Stadt". Der Umgang mit ruhendem Verkehr, etwa durch den Bau von Quartiersgaragen, kann öffentlichen Raum entlasten und neue Aufenthaltsqualitäten schaffen. Wichtig ist, nicht nur Einschränkungen zu kommunizieren, sondern die Vorteile einer veränderten Mobilitätskultur sichtbar zu machen. Im Rahmen der Tagung begrüßte am Nachmittag DASL Präsidentin Monika Thomas die 46 neu berufenen Akademiemitglieder - ein wichtiger Impuls für den kontinuierlichen Transformationsprozess der Akademie.

Der Ortswechsel vom historischen Rathaus zum städtebaulichen Entwicklungsgebiet „Beim BAST" leitete in den geselligen Teil des Abends über. Den feierlichen Auftakt bildete die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Prof. Julian Wékel, begleitet von einer Laudatio von Andrea Gebhard.

Regula Lüscher, ehemalige Senatsbaudirektorin von Berlin, beleuchtete am zweiten Tag die Herausforderungen langwieriger Planungsprozesse und entscheidende Faktoren für erfolgreiche, zukunftsorientierte Planung. Am Samstag wechselte die Tagung das Format: Die Positionen der DASL Landesgruppen an „Demo-Ständen" führten zu einer interaktiven Debatte über Medialisierung, Digitalisierung, Bewegungsräume und die Stadt der kurzen Wege. Gemeinsam wurden Schnittmengen und Kontroversen sichtbar, um eine zukunftsfähige Mobilitäts- und Planungskultur zu entwickeln.

Der Sonntag war geprägt von direkten Erfahrungen im Stadtraum. Es gab Exkursionen zur Transformation des ehemaligen Quelle-Versandhauses und des AEG-Areals in der Nürnberger Weststadt sowie zum Reichsparteitagsgelände und zur Ersatzspielstätte der Oper in der Kongresshalle.

Drei zentrale Botschaften der Tagung

Die Tage vor Ort waren geprägt von offener und engagierter Diskussion und haben gezeigt, dass neben Wissen und guten umgesetzten Projekten vor allem auch der politische Wille für einen Wandel zu einer nachhaltigen Mobilitätskultur entscheidend ist. Für die Akademie lassen sich aus der Tagung drei Botschaften ableiten:

  • Transformative Planung schafft keine fertigen Lösungen, sondern die Voraussetzungen dafür, dass Wandel entstehen und getragen werden kann.
  • Eine nachhaltige Mobilitätswende erfordert kulturellen Wandel, gesellschaftliche Akzeptanz und neue Zukunftsbilder, nicht nur neue Technologien oder Infrastruktur.
  • Der Wandel wird vor allem vor Ort umgesetzt und gelingt durch Kooperation, Lernprozesse, Mut zur Unschärfe und tragfähige Kompromisse statt durch Perfektion.

Die Diskussionen aus Nürnberg werden die Akademie weiterein beschäftigen. Sowohl in der Planungspraxis, in den Kommunen und Planungsbüros aber auch innerhalb der Akademie bleibt das Thema entscheidend für eine zukunftsfeste, nachhaltige und gerechte Stadtentwicklung. In den zu führenden Dialog über die Fortschreibung der Berliner Erklärung, wird das Thema weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

Aus der Akademieversammlung

In der Versammlung wählte die Akademie Thomas Dienberg ins Präsidium; Prof. Mario Tvrtković wurde als Wissenschaftlicher Sekretär wiedergewählt.

Ein großes Dankeschön an die DASL Landesgruppe Bayern als Gastgeberin der DASL Jahrestagung 2026 und an alle Mitwirkenden.

Ausblick auf 2027

Nach Nürnberg blickt die DASL nun nach Potsdam, wo 2027 die nächste Jahrestagung stattfindet. Nach einer Phase der Bestandsaufnahme und Analyse der „Verschiebung der politischen Koordinaten" in Gesprächsrunden in den Jahren 2024 und 2026 sowie im Wissenschaftlichen Kolloquium 2026 soll in der Jahrestagung mit dem Arbeitstitel „Mit Demokratie zur räumlichen Transformation" eine handlungsorientiertere Perspektive im Vordergrund stehen. Federführend ist die Ausgestaltung und Umsetzung der kommenden Jahrestagung ist die Landesgruppe Berlin/ Brandenburg.


Impressionen der DASL-Jahrestagung

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Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen fördert diese Tagung im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik.