Mobilität und Digitalisierung zählen zu den Bereichen, die unseren Alltag heute maßgeblich prägen und einem beschleunigten Wandel unterliegen. Mobilität steht in vielerlei Hinsicht für Beweglichkeit und eröffnet Gestaltungsspielräume und Handlungsmöglichkeiten. Sie ist dadurch ein wichtiges Element der Lebensqualität. Gleiches gilt auch für die Kommunikationstechnologie, welche die Bedingungen für gesellschaftliche Teilhabe verbessert. Zugleich trägt sie jedoch auch zur Medialisierung bei, indem sich Teile der Gesellschaft zunehmend an der Logik der Medien orientieren und sich an diese anpassen. Mobilität und Digitalisierung bieten große Nutzenpotenziale und Chancen, ihr intensiver Gebrauch birgt jedoch auch Risiken und Nebenwirkungen. Daher gilt es, Vorteile und Fehlentwicklungen genauer in den Blick zu nehmen und die weitere Entwicklung im Sinne der Nachhaltigkeit aktiv zu steuern.

Autor: Dr.-Ing. Peter Sturm
01. September 2026

Analogien und Wechselwirkungen

Zwischen den Entwicklungen von Mobilität und Digitalisierung gibt es starke Abhängigkeiten und Wechselwirkungen. So stellte die frühe Nachrichtentechnik nicht nur eine Alternative zu Reiterkurieren und Postkutschen dar, sie war auch die Grundlage für die Ausweitung der Verkehrsnetze und den sicheren Betrieb im Schiffs- und Eisenbahnverkehr. Hiervon profitierte nicht nur der Personenverkehr. Im Warenverkehr förderte sie auch den Aufbau von Vertriebsstrukturen und ermöglichte so eine Ausweitung des Marktes.

Mobilität ist gekennzeichnet durch die zentralen Einflussgrößen Raum, Zeit und Geschwindigkeit. Für den Verkehr als realisierte Mobilität ist die Geschwindigkeit hierbei eine Schlüsselgröße. Im historischen Rückblick haben die zurückgelegten Distanzen stetig zugenommen, während die für Ortsveränderungen aufgewendete Zeit weitgehend konstant geblieben ist. Grund für die einfachere Raumüberwindung war die Entwicklung immer schnellerer Verkehrsmittel und der Ausbau der zugehörigen Infrastruktur.

Eine ähnliche Entwicklung hat auch bei der Nachrichtentechnik stattgefunden. Spätestens seit Erfindung des Telegrafen im späten 18. Jahrhundert und mit der stetigen Weiterentwicklung der Funktechnik haben die nichtmateriellen Kommunikationssysteme nicht nur „nachgezogen“, sondern den physischen Verkehr in puncto Raumüberwindung überholt. Die digitale Infrastruktur ist dank nutzerfreundlicher Anwenderplattformen leicht zugänglich und ermöglicht Kommunikation mit nahezu unbegrenzter Reichweite in Echtzeit. Dabei ist die Verbreitung von Nachrichten nicht mehr auf überschaubare Adressatenkreise begrenzt. Im Gegensatz zum physischen Verkehr stellt der Raum somit für den Transport von Nachrichten kein Hindernis mehr da.

Positive Effekte und Potenziale

Die moderne Kommunikationstechnologie bietet die Grundlage dafür, dass heute viel mehr Informationsmöglichkeiten als früher zur Verfügung stehen. Die Medienvielfalt hat sich durch elektronische Medien deutlich erhöht. Der Zugang zu Informationen ist durch mobile Endgeräte in vielerlei Hinsicht einfacher geworden. Darüber hinaus haben Einzelpersonen heute die Möglichkeit, direkt Beiträge zu publizieren, ohne dass sie Zugang zu etablierten Medien benötigen, über den Instanzen wie Verlage oder Redaktionen entscheiden. Allerdings mündet dies auch in einer rasch voranschreitenden Medialisierung, bei der der Alltag immer stärker von der Mediennutzung bestimmt wird.

Die Digitalisierung baut Präsenzzwänge ab und hat so unter anderem die Grundlage für Mobiles Arbeiten geschaffen. Die Möglichkeit, Einkäufe und Geschäftsvorgänge online erledigen zu können, erspart bereits seit längerer Zeit das Erscheinen vor Ort. Web-basierte Terminvereinbarungen reduzieren Wartezeiten, beispielsweise bei noch erforderlichen Behördengängen oder Museumsbesuchen. Die digitalen Plattformen können zumeist rund um die Uhr genutzt werden, elektronische Medien dienen zudem als Nachrichtenspeicher bei der direkten Kommunikation. Durch diese Loslösung von starren Zeitstrukturen erhöht sich Gestaltungsspielraum der Bürgerinnen und Bürger. Zudem dient es der Nachhaltigkeit, wenn physischer Verkehr durch den Wegfall von Präsenzterminen vermieden wird.

Bei der Organisation Ihrer Mobilität sind Bürgerinnen und Bürger heute dank komfortabler Informations-, Buchungs- und Bezahlsysteme nicht mehr auf externe Dienstleister wie Reisebüros oder auf statische Fahrpläne angewiesen. Sie können ihre Reise eigenständig planen und werden damit zu unabhängigen „Architekten ihrer Reise“. Eine funktionierende elektronische Begleitung mit Fahrgastinformation in Echtzeit versetzt sie in die Lage, selbstbestimmt auf Störfälle reagieren zu können. Gerade bei Abweichungen vom Regelfahrplan und Zugausfällen, die aktuell durch Infrastrukturengpässe und Personalmangel Spitzenwerte erreicht haben, sind die elektronischen Auskunftssysteme besonders wichtig. Im Straßenverkehr haben Verkehrsleittechnik und Störfallmanagement zur Optimierung des Betriebs der Verkehrssysteme und zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beigetragen, ohne allerdings die Aus- und Überlastung des Netzes in bestimmten Abschnitten oder zu bestimmten Zeiten beheben zu können. Informationen zur Verkehrslage geben den Verkehrsteilnehmern aber die Möglichkeit, auf verkehrsschwächere Zeiten ausweichen zu können. Parkleitsysteme und die Vorbuchung von Stellplätzen in Parkhäusern bieten innerstädtisch Potenzial, Parksuchverkehre zu reduzieren.

Die moderne Informationstechnologie hat auch neue Mobilitätsangebote hervorgebracht. Hier sind vor allem leicht buch- und bezahlbare Angebote wie Car-Sharing, Leihfahrräder oder Elektro-Scooter zu nennen, die den Markt der Mobilität um zusätzliche Optionen erweitert hat. In das Tarifsystem des Öffentlichen Nahverkehrs integrierte On-Demand-Verkehre (moderne Anruf-Taxen) leiten als flexible Mobilitätsangebote mit Abkehr vom starren Fahrplan einen Paradigmenwechsel ein (siehe Bild 1). Sie verbinden die Vorzüge einer kostengünstigen Beförderung mit dem Komfort des Individualverkehrs und erhöhen so die Qualität des ÖPNV.

Bild 1: Barrierefreies Fahrzeug des On-Demand-Dienstes
„Hopper“ der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach
(Aufnahme Peter Sturm, 2023)

Die genannten positiven Aspekte kommen aber nicht uneingeschränkt zum Tragen; vielmehr schlagen die günstigen Rahmenbedingungen für die Mobilität mittlerweile oft ins Gegenteil um. Eine besondere Rolle spielt hierbei die Medialisierung, weil sie nicht in erster Linie die Optimierung des Verkehrssystems oder der Befriedigung von (vorhandenen) Mobilitätswünschen unterstützt, sondern in erheblichem Maße zusätzliche Anreize schafft, vor allem im Tourismus. Auf den elektronischen Plattformen werden attraktive Zielzu e „gehypt“ und führen vor Ort zu erheblichen Belastungen. Dies ist eine Folge von gleichzeitigen Verdichtungstendenzen in Zeit und Raum. Zum einen wird Zeit immer intensiver genutzt, zum anderen nimmt an vielen Orten die Belastung durch stetig wachsende Besucherströme zu.

„Risiken und Nebenwirkungen“

Wirkungen auf den Raum

Mit dem kontinuierlichen Ausbau von Infrastruktur und Verkehrsangebot sowie Anreizen für das Reisen wird das Verkehrssystem zunehmend zum Opfer des eigenen Erfolgs. Die ADAC-Staubilanz weist für das deutsche Autobahnnetz 496.000 Staus und 478.000 Staustunden im Jahr 2025 aus (Dümmer, 2026). Starke Überlastungen sind auch im Bahnverkehr keine Seltenheit. So kam es nach der Einführung 9-Euro-Tickets im Juni 2022 auf bestimmten Strecken zur extremen Überfüllung von Zügen und zu starken Verspätungen durch erhöhte Fahrgastwechselzeiten (siehe Bild 2). Vor kurzem hat das Wirtschaftsministerium von Mecklenburg mitgeteilt, dass immer häufiger Reisende am Bahnsteig zurückgelassen werden, weil temporär die Bahnkapazitäten nicht ausreichen [FR, vom 09.08,2026].

Bild 2: Bahnsteig am Koblenzer Hauptbahnhof nach Einführung
des 9-Euro-Tickets
(Aufnahme: Peter Sturm, 15.06.2022)

In attraktiven Tourismusregionen sind Be- und Überlastungen besonders drastisch spürbar. Dies betrifft nicht nur „Urlaubsinseln“ wie Mallorca und Sylt, sondern auch Metropolen wie Barcelona und Venedig. Die Folgen sind nicht auf die Überlastung des Verkehrssystems und die Überfüllung von Straßen, Plätzen und Kultureinrichtungen beschränkt. Veränderte Preisniveaus und eine verschärfte Wohnungsknappheit durch neue Geschäftsmodelle wie AirBnB bringen zudem soziale Nachteile für die einheimische Bevölkerung mit sich. Dies hat mittlerweile selbst in Regionen, die vom Tourismus leben, zu massiven Protesten geführt.

Wirkungen auf den Umgang mit der Zeit

Der Drang, möglichst viel (neues) zu erleben, hat nicht nur Auswirkungen auf den Raum. Ebenso verändert sich unser Umgang mit der Zeit. Durch Konsumwerbung genährt, wächst der Anspruch, über „alles“ „immer“ und nach Möglichkeit „sofort“ verfügen zu können. Expresszustellungen und 24/7-Angebote tragen diesem Wunsch Rechnung. Auch individuell soll die Zeit soll möglichst intensiv genutzt werden. Ratgeber zu Speed-Reading und Speed-Watching verstärken diesen Trend. Die technische Unterstützung hierfür liefern Beschleunigungsfunktionen für Hörbücher und Streamingdienste. Anschaulich auf die Spitze getrieben hat den Trend zum schnellen Konsum, von dem auch die Kultur nicht verschont bleibt, der Aktionskünstler Florian Slotawa. Er durchläuft bekannte Museen in Sportkleidung und misst die dafür benötigte Zeit (siehe: https://www.florianslotawa.de/project/museums-sprints/).

Im Bereich der Mobilität wird der Trend zu immer intensiverer Zeitnutzung unter anderem an einem Anstieg der Kurzreisen erkennbar (siehe Bild 3).

Bild 3: Vergleich der Anzahl an Kurzreisen 2015 – 2025 (Grafik Peter Sturm auf Basis von „Fakten und Zahlen zum Deutschen Reisemarkt“, DRV 2016, 2026)

Wirkungen auf die Gesellschaft

Die Medialisierung forciert den schnellen Konsum von Mitteilungen und Meldungen. Nachrichtenportale verleiten schon per se dazu, sich bereits durch das Lesen von Überschriften einen Eindruck zu verschaffen und eine Meinung zu bilden. Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass bei vielen Anbietern das Lesen des gesamten Beitrags kostenpflichtig und nur dem kleineren Teil der Nutzer mit Zahlungsbereitschaft zugänglich ist. Nicht selten suggeriert die „Headline“, um Interesse zu wecken, etwas anderes, als der Text bei vollständigem Lesen tatsächlich aussagt. Durch diese Verengung auf grobe Botschaften werden Bereitschaft und Fähigkeit zu einer differenzierten Betrachtung und Bewertung von Sachverhalten eingeschränkt.

Hierzu trägt auch bei, dass viele Einzelpersonen und Organisationen zunehmend mediale Aufmerksamkeit dadurch erlangen, dass sie auf kurze Videobotschaften setzen, die verglichen mit ausführlicheren Schrifttexten einen äußerst geringen Informationsgehalt haben.

Die Verfügbarkeit von mobilen Endgeräten wie Notebook oder Smartphone bedeuten einen Quantensprung bei der Weiterverbreitung von Mitteilungen. Ein kurzer Blick auf die Überschrift und ein Klick reichen, um eine Nachricht mit nahezu unbegrenzter Reichweite an einen größeren Adressatenkreis weiterzuleiten. Umgekehrt können Aussagen oder Handlungen einzelner Akteure unmittelbar eine enorme Anzahl an Reaktionen hervorrufen. Dadurch wird im Extremfall sogar das System lahmgelegt: Der „Shitstorm“ als Pendant zum Mega-Stau auf der Autobahn.

Zunehmend kursieren Nachrichten in sogenannten „Blasen“ oder „Echokammern“. Mit negativen Folgen für die Demokratie und den Zusammenhalt der Gesellschaft verstärken sich so auch Fehleinschätzungen sowie eine mangelnde Bereitschaft für einen offenen Austausch zu kontroversen Themen. Man stelle sich vor, man würde sich physisch immer mit einem festen Personenkreis am selben Ort treffen und daraus generelle Einschätzungen zu Stadtstruktur und Gemeinwesen ableiten.

Handlungsansätze und Steuerungsmöglichkeiten

Um den erkannten Fehlentwicklungen entgegenzuwirken, bedarf es einer wirksamen Steuerung mit entsprechenden Handlungsansätzen und Konzepten. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind nachfolgend für verschiedene Herangehensweisen einige Beispiele genannt.

Räumliche Entzerrung und Zugangsregelungen

Die elektronischen Medien schaffen immer mehr Anreize für Reisen zu attraktiven Orten, was zu erheblichen Beeinträchtigungen der dortigen Bevölkerung führt. Hierauf reagieren die Entscheidungsträger vor Ort mit unterschiedlichen Maßnahmen. Das Spektrum reicht von sanfter Steuerung, wie der Werbung für reizvolle Ziele außerhalb des Stadtzentrums von Prag, bis hin zu „harten“ Regelungen wie dem Verbot von neuen Hotelbauten und der Einführung einer jährlichen Obergrenze von 20 Millionen Gästen in Amsterdam. Um den heimischen Wohnungsmarkt zu schützen, hat Barcelona ein Verbot von Kurzzeitvermietungen ab 2028 beschlossen. Andere Tourismusziele nutzen preispolitische Instrumente. Venedig erhebt seit 2024 einen „Eintrittspreis“ für Tagestouristen (Knupfer, 2025). Zwar ist fraglich, ob vergleichsweise geringe Eintrittspreise zu einer Reduzierung der Besucherströme führen, preispolitische Instrumente können jedoch zum Abbau von Spitzen beim Besuch sogenannter Hotspots beitragen, wenn die Preise im Tagesverlauf nachfrageabhängig angepasst werden. Hierbei kann die moderne Technologie wichtige Unterstützung bieten, ebenso wie bei Kulturstätten und Freizeiteinrichtungen mit Kontingentierung des Besucheraufkommens, bei denen eine elektronische Vorab-Buchung möglich ist. Mit Blick auf die Maßnahmenpalette bemerkenswert ist die Errichtung eines zweiten Gipfelkreuzes in der Bergstation der Zugspitze, die sich gezielt an „Selfiejäger“ richtet, damit diese sich risikofrei verewigen können (Bayrische Zugspitzbahn Bergbahn AG, 2025).

Zeitliche Steuerung

Die zeitliche Steuerung von Verkehrsströmen hat in Deutschland Tradition. Seit langer Zeit werden die Ferienzeiten der deutschen Bundesländer gestaffelt, um der Überlastung der Autobahnen entgegenzuwirken. In Tourismusregionen wird zudem versucht, die Nebensaison durch gezielte Angebote attraktiver zu machen. Mit einem „Smart Destination Management“-System informieren einzelne Gemeinden umfassend über Veranstaltungen und über Öffnungszeiten von Freizeiteinrichtungen. Denkbar wäre auch, Apps zu entwickeln, um die vorhandenen Kapazitätsgrenzen sowie die aktuelle Auslastung in Städten oder Urlaubsregionen zu visualisieren und so einer Überfüllung entgegenzuwirken (Horny, 2024).

Anpassung der Geschwindigkeit – Gestaltung des öffentlichen Raums

Das Bedürfnis nach einer möglichst großen Erlebnisdichte und der Wunsch, schnell von A nach B zu kommen, haben in der Vergangenheit an vielen Stellen zu einem automatischen Vorrecht des Schnelleren geführt. Dies hat Auswirkungen auf den öffentlichen Raum. Werden Straßen und Plätze zur Durchgangsstation, so verändert das ihren Charakter und die Aufenthaltsqualität (Sturm, 2016).

Müller und Sturm (1997) plädieren daher für eine ausgewogene Mischung von „Schnellen“ und „Langsamen“ Orten. Als „Schnelle Orte“ bezeichnen sie Orte, die maßgeblich durch ihre Funktion für Mobilität und Geschwindigkeit geprägt sind. Dabei handelt es sich zumeist um Großstrukturen (vom Straßenverkehr dominierte Plätze, Bahnhöfe, Flughäfen, Parkhäuser). Diese sind bevorzugt auch Orte der Medialisierung und werden intensiv als Projektionsfläche für Werbetafeln und Leuchtreklamen genutzt. Neben dem Wunsch nach schneller Fortbewegung gibt es bei Bewohnern und Besuchern jedoch auch das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung (siehe Bild 4). Diese Bedürfnisse erfüllen sogenannte „Langsame Orte“ (Parks, Gärten, innerstädtische Plätze zum Verweilen). Analog zu einer funktionalen Nutzungsmischung, deren Vorzüge in der Stadt- und Raumplanung seit langem bekannt sind, sollte man auch auf eine ausgewogene Nutzungsmischung unter Geschwindigkeitsgesichtspunkten achten.

Bild 4: „Ort der Stille“ – Eine „Haltestelle“ als Angebot im Trubel der Frankfurter Innenstadt
(Aufnahme Peter Sturm, Frankfurt am Main, 2023)

Umgang mit elektronischen Medien

Als Strategie gegen den medial angetriebenen Übertourismus schlägt Horny (2025) vor, das System mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Sie regt an, Influencer zu gewinnen, um auf Risiken und unzumutbare Belastungen aufmerksam zu machen und zugleich Menschen zu ermutigen, Orte abseits der touristischen Hotspots aufzusuchen oder Reisen außerhalb der Sommermonate zu unternehmen.

Reuschenbach und Frenzel (2024) haben sich in ihrem Buch über „defekte Debatten“ intensiv mit den Auswirkungen der Medialisierung auf Gesellschaft und Demokratie befasst. Sie empfehlen beim Gebrauch elektronischer Medien unter anderem eine „Pause-Taste“ in Form einer Prüffrage „Wollen Sie wirklich, dass dieser Post online geht?“. Dies soll für eine Zeitverzögerung beim Weiterleiten von Kommentaren sorgen und so dem Eindämmen von spontanem Furor dienen (S. 285). Sie beziehen sich auf Erfahrungen von Frances Haugen, dass eine Verpflichtung, auf einen Link zu klicken und ihn sich anzuschauen, bevor er geteilt werden kann, zu 15% weniger Desinformation führt (S.261). Solche Überlegungen erinnern an ein Tempolimit, das auch im Verkehr Gegenstand von Diskussionen ist.

Ausblick

Die skizzierten Veränderungen bei Mobilität und Medialisierung wird man nicht umkehren können. Dies wäre auch nicht sinnvoll, da ansonsten auch positive Errungenschaften und Potenziale verloren gingen. In aller Regel befürworten Urlaubsregionen und Metropolen den Tourismus und haben lange Zeit für ihn geworben, da er eine wichtige Säule ihrer Wirtschaft darstellt. Wogegen sich der zum Teil heftige Widerstand richtet, ist nicht der Tourismus an sich, sondern ein überbordender (kleiner Gruß an die Kreuzfahrtpassagiere) Massentourismus.

Bild 5: Futurium Berlin – Aufbruch zu neuen Horizonten
(Aufnahme Peter Sturm, Berlin 2023)

Angelehnt an die Terminologie des Verkehrs geht es bei der Gestaltung von Mobilität und Digitalisierung daher nicht um eine Vollbremsung. Ziel muss es vielmehr sein – so könnte man Bild 5 auch lesen – angesichts des hohen Problemdrucks mit kluger Steuerung „die Kurve zu kriegen“, damit Chancen und Potenziale bestmöglich genutzt werden können. Die genannten regulatorischen Ansätze sind dabei sinnvoll und notwendig, bleiben aber unzureichend, wenn nicht die Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer und Reisenden zu einer besseren Mobilitätskultur im Alltag und zu mehr Rücksichtnahme an Urlaubszielen beiträgt.

Quellen:

Bahnreisende werden immer häufiger zurückgelassen: DB klärt über 2.Klasse-Regelung auf. In: Frankfurter Rundschau, Frankfurt am Main, 02.08.2026

Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG: „Ein zweites Gipfelkreuz für die Zugspitze“; Meldung vom 02.07.2025; abgerufen am 14.08.2026
https://zugspitze.de/de/Ein-zweites-Gipfelkreuz-fuer-die-Zugspitze_bba_1716742

DRV - Deutscher Reiseverband e.V. (Hrsg.): Fakten und Zahlen zum Deutschen Reisemarkt – Ausgaben 2015 und 2025; Berlin 2016, 2026,

Dümmer, Katharina: „ADAC-Staubilanz 2025: So viel Stillstand gab es auf deutschen Autobahnen“; Meldung vom 05.02.2026; abgerufen am 14.08.2026
https://www.adac.de/news/staubilanz-2025/

Horny, Inga: „Die Übertourismus-Plage – Ursachen und Gegenstrategien“; Hrsg.: Dachverband Stadtmarketing Austria; Leoning, 2024

Knupfer, Gabriel: „Von Bali bis Amsterdam – Zehn Maßnahmen gegen den Massentourismus“; in Blick, 05.02.2025, Zofingen, Zürich 2025

Mobilität in Deutschland – MiD 2023: Ergebnisbericht; Hrsg.: Bundesministerium für Verkehr; Bonn, 2025

Müller, Peter und Peter Sturm: „Schnelle Orte – Langsame Orte. Vielfältige Geschwindigkeitsstrukturen – eine Alternative zur räumlichen Nutzungsmischung?“; in: Deutsche Bauzeitschrift (DBZ) Heft 8, 1997 (S. 87 -91)

Reuschenbach, Julia und Korbinian Frenzel: „Defekte Debatten – Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen“; Berlin 2024, Suhrkamp Nova (S. 261 und 265)

Slotawa, Florian: „Museumssprints“; Ausstellung „Tempo, Tempo“ in den Opelvillen Rüsselsheim; 23.04. bis 31.08.2008; siehe auch:
https://www.florianslotawa.de/project/museums-sprints/

Sturm, Peter: „Stop and Go“: Stationen des Durchgangsverkehrs; Katalog zur Ausstellung „Transit: Ströme“ (15. April bis 4. September 2016 in der Galerie der Schader-Stiftung, Hrsg.), Darmstadt (S. 12-15)