Düsseldorf, 9. Oktober 2026 – Wie lässt sich die Wohnraumversorgung in Nordrhein-Westfalen nachhaltig verbessern? Brauchen wir vor allem mehr Neubau, einfachere Bauvorschriften und schnellere Genehmigungen – oder müssen wir grundsätzlicher über den Umgang mit dem vorhandenen Wohnraum nachdenken?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Wohnungsmarkt und Politik“, zu der die Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) in die Räume der Architektenkammer NRW eingeladen hatte.
Mit Jochen Ritter (CDU) und Sebastian Watermeier (SPD) diskutierten die wohnungspolitischen Sprecher der beiden Landtagsfraktionen im Vorfeld der Landtagswahl 2027 unterschiedliche politische Ansätze und Handlungsperspektiven. Moderiert wurde der Austausch von Stefan Kuczera, Mitglied des Vorstands der DASL-Landesgruppe NRW.
Einigkeit über die Problemlage – unterschiedliche Lösungsansätze
Weitgehende Einigkeit bestand in der Analyse der aktuellen Situation: In Nordrhein-Westfalen entstehen deutlich weniger Wohnungen, als benötigt werden. Die bisherigen politischen Maßnahmen zeigen noch nicht die erforderliche Wirkung, um die anhaltende Unterdeckung abzubauen. Vielmehr wächst die Versorgungslücke weiter und die Problemlage verschärft sich.
Diskutiert wurden insbesondere die Vereinfachung der Landesbauordnung, der Bau-Turbo und Möglichkeiten, durch beschleunigte Verfahren und reduzierte Anforderungen den Wohnungsneubau anzukurbeln. Auch steuerliche Entlastungen, etwa bei der Grunderwerbsteuer oder Mehrwertsteuer, wurden angesprochen. Angesichts der angespannten öffentlichen Haushalte wurden diese jedoch weder als uneingeschränkt realisierbar noch als alleinige Lösung angesehen. Ebenso wurde die mögliche Rolle einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft erörtert.
Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob die Strategie „Bauen, bauen, bauen“ ausreichend ist oder dabei Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Flächensparen zu sehr in den Hintergrund geraten.
In diesem Zusammenhang rückte auch die Nutzung des vorhandenen Wohnungsbestands in den Fokus. Bei einem durchschnittlichen Wohnflächenverbrauch von rund 50 Quadratmetern pro Person stellt sich die Frage, ob nicht verstärkt politische Strategien für eine bedarfsgerechtere Verteilung und effizientere Nutzung des bestehenden Wohnraums entwickelt werden müssten. Wohnungstausch, altersgerechte Wohnangebote und die Aktivierung vorhandener Wohnflächen könnten wichtige Ergänzungen zum Neubau darstellen.
Die Diskussion verdeutlichte, dass die Wohnungsfrage weit über das Bauen hinausgeht. Sie berührt zentrale Fragen der sozialen Gerechtigkeit, wirtschaftlichen Entwicklung, demografischen Veränderung und ökologischen Nachhaltigkeit.
Bemerkenswert war die weitgehende Übereinstimmung zwischen den politischen Vertretern und der Fachwelt hinsichtlich der Problemanalyse. Umso deutlicher wurde, dass es nun vor allem auf wirksame, aufeinander abgestimmte Maßnahmen und konsequentes politisches Handeln ankommt.
Gerade im Vorfeld der Landtagswahl 2027 ist es wichtig, dass sich die planerische Fachwelt und die demokratischen Kräfte der politischen Mitte über langfristig tragfähige Strategien verständigen. Die Wohnraumversorgung bleibt eine der zentralen politischen und gesellschaftlichen Zukunftsaufgaben.
Das Fazit der Veranstaltung: Die Probleme sind weitgehend erkannt. Jetzt kommt es darauf an, aus der gemeinsamen Analyse konkrete Lösungen zu entwickeln und die Wohnraumversorgung spürbar und nachhaltig zu verbessern.
Die Veranstaltung hat einen wichtigen Beitrag zum fachlichen und politischen Dialog über diese Zukunftsaufgabe geleistet.