Beitrag der Landesgruppe Berlin-Brandenburg zur DASL-Jahrestagung 2026

1. Unser Thema

„Was sind die Gelingensbedingungen für die Transformation unserer öffentlichen Räume als wesentlicher Baustein der Mobilitäts- und Verkehrswende? Wie müssen die notwendigen Prozesse aussehen, damit diese den unterschiedlichen Ansprüchen nicht nur an deren Gestaltung als essenzielle Teile lebenswerter Städte und Gemeinden, sondern auch hinsichtlich Teilhabe, sozialer Gerechtigkeit, Akzeptanz und Umsetzbarkeit gerecht werden? Anhand von Fallbeispielen aus Potsdam und Berlin wollen wir dazu übertragbare Thesen entwickeln und in Nürnberg zur Diskussion stellen."


2. Die Fallbeispiele

Potsdamer Innenstadt - In Umsetzung

Das Konzept einer autoarmen Innenstadt zielt in Potsdam darauf ab, die Lebens- und Aufenthaltsqualität durch den schrittweisen Abbau von 500 gebührenpflichtigen Pkw- Stellplätzen und die Reduzierung des Parksuchverkehrs zu erhöhen. Die freiwerdenden Flächen sollen zusätzlichen Raum für Begegnung, Freizeit, Einkaufen, Außengastronomie und Begrünung bieten. Dabei steht die Vision einer attraktiven, generationengerechten Innenstadt im Fokus.

Berlin Friedrichstraße - Verkehrsversuch gescheitert

Die Friedrichstraße steht im Spannungsfeld der aktuellen Diskussion zu Stadtentwicklungs- und Verkehrspolitik in Berlin, zwischen Flaniermeile als urbanem Boulevard und dem Status als Nord-Süd-Achse im Berliner Verkehrsnetz (mal mit, mal ohne Autos), zwischen (radikalem) Neu- und Umbau und dem „weiter so“. Wie kann nach den Fehlschlägen der vergangenen Jahre ein resilienter Prozess zur stadtverträglichen Umgestaltung unter Einbeziehung aller relevanten Interessen aussehen?

Allgemeiner Hinweis:

Die nachfolgende Auflistung von für das Ausgangsthema relevanten Aspekten versteht sich als erste Annäherung ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Sie werden im weiteren Prozess anhand der Fallbeispiele näher betrachtet mit dem Ziel, daraus gemeinsam im Diskussionsprozess generelle und möglichst übertragbare Thesen abzuleiten.

 

3. Die Kernthemen

3.1 Akteursebene

Bei der Akteursebene geht es um alle Personen, Gruppen und/oder Organisationen (einschließlich Politik), die in irgendeiner Weise einen Bezug zum Projekt haben (bzw. haben könnten (aktives Interesse, direkte oder indirekte persönliche/räumliche/institutionelle/politische Betroffenheit etc.). Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen:

  • Wer ist (in welcher Phase) beteiligt?
  • Wie stehen die Beteiligten zum Projekt, welche Interessen vertreten sie?
  • Wie viel Einfluss, welches Mandat haben sie?

3.2 Prozessebene

Die Prozessebene betrifft unterschiedliche Verfahrensschritte, aber auch weitere im Projektverlauf relevante Querschnittsthemen. Hier geht es darum, diese kritisch zu analysieren und dabei Erfolgsfaktoren sowie Stolpersteine/Risiken zu identifizieren. Erste Diskussionsansätze bieten die nachfolgenden Überlegungen zu spezifischen Aspekten des Prozesses.

  Erfolgsfaktoren Stolpersteine/Risiken
Konzept/strategische Einbindung Ganzheitlich: Quartiersbetrachtung (z.B. Innenstadtring) statt Einzelmaßnahmen (auch zur verkehrlichen Funktion) Punktuell: Isolierte Sperrung einzelner Abschnitte ohne Netzbetrachtung. Ist der Ort richtig gewählt?
Umsetzungsqualität (am Beispiel Aufenthalt) Nutzen wird sichtbar: Rasche Umnutzung z. B. durch Gastro & Stadtmöbel sowie Grün auf Parkflächen mit Mindestmaß an gestalterischer Qualität, Gewinn an Lebensqualität wird zeitnah erlebbar. Mehrwert nicht wahrnehmbar: Reine Beschilderung/Markierung ohne optische Aufwertung wirkt wie „toter Raum“, Aufenthaltsqualität darf nicht hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Testphasen Reallabore nutzen: Konzeptqualität schnell erkennbar machen, Mut zum Testen und Lernen mit rückbaubaren Elementen Provisorium als Notnagel: wirkt unfertig, Zielkonzept und gestalterische Idee nicht erkennbar, Baustellencharakter, offenes zeitliches Ende
Recht Klarheit: Verbindliche Termine und belastbare rechtliche Rahmenbedingungen Grauzone: Unklare Rechtsgrundlagen führen zu Klagen und politischem Zick-Zack-Kurs

3.3 Kommunikationsebene

Kommunikation – als entscheidender Hebel? – ist selbstverständlich Teil des o. g. Prozesses, soll aber auch als Haltung zum Projekt diskutiert werden und wird hier deshalb separat herausgestellt.

Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen:

  • Wie wird Beteiligung organisiert (Formate/Zielgruppen)?
  • Wie wird mit der Diskrepanz zwischen der „leisen Mehrheit“ und der „lauten Minderheit“ umgegangen?
  • Begreift sich die Stadtverwaltung als rein ausführende Instanz oder als moderierende Partnerin?
  • Wie muss die interne Zusammenarbeit organisiert werden?

Intern: Silos aufbrechen

Ziel: bessere interne Abstimmung, gemeinsames Commitment, ggf. Bildung einer interdisziplinären Task-Force (z. B. Stadtplanung, Wirtschaftsförderung, Grünflächenamt) mit voller Rückendeckung der Stadtspitze

Risiken: Mangelndes Mandat des Projektteams gegenüber blockierenden Fachämtern, kein ausreichendes Backing aus der Politik

Extern: Nutzen vermitteln statt Verbot verteidigen

Ziel: Aufsuchende Beteiligung. Transparenz, ehrlich z. B. über Parkplatzverlust sprechen, aber den Mehrwert (Spielfläche, Sicherheit) in den Fokus rücken.

Risiko: Ein Kommunikations-Vakuum nährt Narrative wie „Ladensterben“, selbst wenn Daten das Gegenteil belegen.

3.4 Ressourcenebene (Finanzen und Personal)

Hier steht die Budgetsicherheit im Fokus. Dabei geht es neben der Konzept- und Umsetzungsphase auch um die Verstetigung bzw. endgültige Gestaltung temporärer Maßnahmen und deren Folgekosten. Darüber hinaus soll die Personalfrage näher beleuchtet werden. Steht für alle Prozessphasen ausreichend Personal zur Verfügung? Welche Rolle spielt das Engagement des Personals bei der strategischen Umsetzung (Verwalten vs. Gestalten / Last vs. Lust)? Welche Methodenkompetenz ist über das eigentliche Fachwissen hinaus notwendig?

Zu diesen und ggf. weiteren Kernthemen folgen mit Bezug auf die beiden Fallbeispiele im Laufe der nächsten Wochen und Monaten konkretere Ausarbeitungen (auch für den DASL-Blog). Am Ende dieses Erarbeitungsprozesses werden pointierte Schlussfolgerungen und Thesen stehen, die auf der Jahrestagung in Nürnberg zur Diskussion gestellt werden sollen.