Mobilität bzw. Bewegung ist nicht nur eine soziale, wirtschaftliche, kulturelle Frage, sondern auch eine energetische. Als Stadtplanerin frage ich mich wie das Wissen zum Energiebedarf einerseits und zum Regenerationsbedarf andererseits räumlich in Einklang gebracht werden könnte. Die Bewegung braucht Energie und das „Wiederaufladen“ der benötigten Bewegungsenergie (physisch und geistig) braucht auch seine Zeit, zunehmend mehr Zeit. Wie bewegen wir uns und welche Räume sind für ein „gerne da bleiben“ zur Regeneration der umgewandelten Energie geeignet?

Autorin: Ariane Jungwirth
23. September 2026

Zur Bleibefreiheit – dem Thema der Regionalgruppe Bayern bei der DASL Jahrestagung 2026 „Mensch in Bewegung" – möchte ich an die herausragenden Blogs/Aufsätze der bayerischen Kollegen Dengler und Dr. Spieker anknüpfen. Das Thema Bewegung soll hier ganz wörtlich, mehrdimensional, ohne KI unter dem Aspekt der Regenerationszeit und Energiebedarf betrachtet werden.

Anknüpfend an die bereits zitierte „Bleibefreiheit" der Philosophin Eva von Redecker „beginnt das Zeitbewusstsein mit der Einsicht, dass jedes Ding seine Zeit hat, die Zeit nämlich, die in seine Entstehung floss". Daher stellt sich auch die Frage nach dem Energie- und Zeitbedarf bei unserer Bewegung und die Frage nach dem Regenerationsbedarf.

  • Wie bewegen wir uns eigentlich (physisch/geistig)?
  • Welche Bewegung brauchen wir wirklich?
  • Wie regeneriert sich die Bewegungsenergie? und
  • Wie viel Zeit braucht eine sich nährende bzw. sich selbst regenerierende Energieform?

Formen der Bewegung

Bewegen physisch ohne Muskelkraft: herunterrutschen, sich treiben lassen z. B. im Wasser, …

Bewegen physisch mit eigener Muskelkraft: sich drehen, krabbeln, rutschen, kriechen, laufen, rennen, hüpfen, springen, tanzen, klettern, schwimmen, tauchen, …

Bewegen physisch mit fremder Muskelkraft: sich tragen-, ziehen-, drehen-, anschieben-, heben-, herablassen, reiten, treideln, …

Bewegen physisch mit nichtmotorisierter Technik, natürlicher Energie: rollen, fahren, gleiten, surfen, segeln, rudern, schweben, segelfliegen, …

Bewegen physisch mit regenerativer Energie/Technik: E-Rad-, E-Roller-, E-Auto-, E-Bus-, E-Lastwagen-, E-Zug-fahren, … wasserstoffbetriebene und sonstige regenerative Energietechnik

Bewegen physisch mit nicht regenerativer Energie/Technik (Erdöl, Erdgas, Atom): MIV/KFZ-fahren, fliegen, U-Boot/Schiff-fahren und Welt-Raum-fahren, …

Bewegen geistig mit E-, IT- und KI-energiebasierter Technik: Bilder-, Filme, 3D, XD-ansehen, lernen, surfen, reisen, erkennen, analysieren, unterhalten werden, konsumieren, arbeiten, vernetzen, …

Bewegen geistig fast ohne bzw. mit wenig Fremdenergie: sich etwas vorstellen, träumen, denken, konzentrieren, meditieren, inne-halten, da-sein, präsent und „frei im Bleiben" sein

Die jeweils erforderliche physische Bewegungsenergie steigt proportional zur Reichweite und quadratisch zur Geschwindigkeit an; dies gilt auch für die IT-/KI-basierte Bewegungsenergie. Die Regenerationszeit, also die Zeit, die erforderlich ist, um den anfänglichen Energiezustand wieder zu erreichen, steigt ebenso an. Entscheidend ist jedoch, ob die erforderliche Regeneration der Ressourcen überhaupt wieder erreicht werden kann und ob die Zeit dafür ausreicht.

Die Qualität des Dableibens

Nachdem das Thema „Bleibefreiheit" hier genauer betrachtet wird, sind alle Anstrengungen und Ideen höchst wertvoll, die gute, dem Leben dienende Räume schaffen und im Arbeits- und Lebensalltag ein schönes und bezahlbares Umfeld unterstützen. Die Aufsätze in den Blogs zur DASL Jahrestagung 2026 zeigen hierzu eine hervorragende Bandbreite auf, hier ist alles Wichtige dazu bereits gesagt und aufgezeigt! „Die Qualität des Dableibens ist ein Zukunftsentwurf für eine resiliente, sozial gerechte und ökologisch tragfähige Moderne" (Zitat Dengler). Um all dies zu erreichen, muss die dafür benötigte Bewegungsenergie wiederhergestellt werden: Durch belebende und beruhigende Räume und Zustände: stoffliche Nahrung (essen, trinken, ruhen, schlafen, …) und durch geistige Nahrung (unterhaltend, lehrend, emotional, kulturell, wissenschaftlich, spirituell, …).

Die Lebensenergie muss gleichsam genährt werden – das wird gerne vergessen. Bei der Bleibefreiheit, also bei der freien Entscheidung „gern da zu sein und gern zu bleiben", kann sich die Regeneration meist ganz schnell und fast ohne Fremdenergie einstellen. Der energetische Gewinn und der Beitrag zur Ressourcenregeneration sind ganz einfach und zugleich immens groß! Es kann sogar gelingen, dass gefühlt (!) etwas mehr Energie und Erfrischung entsteht, als die Bewegungsenergie, die zuvor umgewandelt wurde!

Dies kann vielleicht so gelingen

Einen schönen kleinen Platz/Ort/Raum suchen und in der Nähe finden – oder auch diesen erst schaffen (das können Planer recht gut), bestenfalls auch gemeinsam mit anderen gestalten – sich dort setzen oder legen bzw. es sich dort gemütlich machen und für eine Seelenpause das Schöne vor Ort betrachten, dies erkennen und einfach nur dankbar und zeitlos genießen oder vielleicht sogar etwas meditieren. Vielleicht entstehen hier die besten Ideen – u. a. für die Entwicklung schöner Räume und einer guten Stadt- und Landesplanung. Wichtig: Dies alles geschieht fast ohne Fremdenergie und mit bester Regeneration für die eigenen Kräfte und für die Mitwelt!

Die Philosophin Eva von Redecker meint, wie schon von Fr. Dr. Spieker zitiert: „Je üppiger sich das ökologische Leben regeneriere, desto freier seien wir in unseren co-schöpferischen Experimenten. Bleibefreiheit wachse mit der Fülle der Gezeiten und erlaube das Verweilen in erfüllter Zeit".

Und – was willst du jetzt machen?