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Christoph Valentien hat mit seinem Büro viele öffentliche Räume in deutschen Metropolen gestaltet und war bis in seine letzten Jahre in China mit der Schaffung großer Parks beschäftigt. Jetzt ist er am 2. Dezember 2025, im Alter von 86 Jahren, verstorben.

Im Gedenken an Christoph Valentien sind es viele Facetten, die den Menschen, Freund, Kollegen, Landschaftsarchitekten und Professor ausmachten, ein stets interessierter, engagierter, humorvoller Mensch, dessen Freude am Leben, am Forschen und Entwerfen ansteckend war. An der Universität war er ein inspirierender Lehrer, der vielen Generationen von Studierenden und Mitarbeiter*innen stets aktuelle Themen der Landschaftsarchitektur vor dem Hintergrund seiner eigenen praktischen Erfahrung hervorragend vermitteln konnte. Dabei pflegte er einen Stil, der weder paradigmatisch war noch pochte er auf bestimmte entwerferische Methoden. Vielmehr war er ein Entdecker von Talenten und ermöglichte in seiner ruhigen und besonnenen Art den angehenden Landschaftsarchitekt*innen die Entwicklung eines eigenen Stils. Lieber zeichnend als dozierend lehrte er einen klaren analytischen Blick für die großen Zusammenhänge einzuüben, um sich daraus für das Entwerfen eine solide kontextuelle Basis zu schaffen. So lernte man bei ihm zuerst fundierte Konzepte zu erstellen, bevor es ans Detail ging. Das machte sprechfähig, auch gegenüber den Stadtplaner*innen und Architekt*innen, denn Valentien war es stets ein großes Anliegen im universitären Curriculum die frühestmögliche Zusammenarbeit von Studierenden innerhalb der einzelnen Disziplinen zu fördern. Viele seiner Absolventinnen und Absolventen haben davon profitiert und sind heute selbst in der Lehre, in eigenen Büros oder in Planungsinstitutionen tätig.

Valentien war im Jahr 1980 als Professor auf den Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Entwerfen an die Technischen Universität München (TUM) berufen worden. Er selbst hatte von 1960-1964 an der Technischen Hochschule München-Weihenstephan bei Ludwig Schreiber studiert und von 1965-67 ein Aufbaustudium Städtebau bei Erich Kühn an der RWTH Aachen absolviert. Nach einer Tätigkeit im Stadtplanungsamt in Duisburg sammelte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Walter Rossow am Institut für Landschaftsplanung an der TU Stuttgart erste Forschungs- und Lehrerfahrung. Dort lernte er auch seine spätere Frau Donata, selbst Landschaftsarchitektin, kennen, mit der er 1971 das eigene Büro in Stuttgart gründete. 

An der TUM war Valentien, neben Günther Grzimek, der dort noch bis 1981 kommissarisch tätig war, der zweite Landschaftsarchitekt, der damals an der Fakultät für Landwirtschaft und Gartenbau den Studiengang Landespflege vertrat. Durch ihn und seine später hinzuberufenen Kollegen an der TUM wurde das Fach weiterentwickelt, an die Fakultät Architektur angekoppelt und als eigenständiger und bis heute stark nachgefragter Bachelor- und Masterstudiengang erfolgreich verankert. 

In seiner Forschungstätigkeit war Christoph Valentien mit seinem Lehrstuhl in sehr unterschiedlichen Feldern aktiv. Er befasste sich mit der jüngeren Geschichte der Landschaftsarchitektur ebenso, wie mit einer Porträtreihe namhafter Landschaftsarchitekt*innen. Themen der Wohnumfeldverbesserung und Verkehrsberuhigung, sowie der ökosystemaren Betrachtungsweise von Siedlungsflächen führten zu Veröffentlichungen wie die zur „Gestaltung naturnaher Freiflächen an öffentlichen Gebäuden“. Im Auftrag der Stadt Athen entwickelte er einen Ökologischen Leitplan für das Athener Becken, der sich bereits 1999 mit dem Thema der stadtklimatischen Verbesserung der Millionenstadt beschäftigte. Schließlich erforschte er 1999 mit seinem Team auch die NS-Bunkeranlagen im Mühldorfer Hart und legte damit eine Grundlage für die Entwicklung der heutigen Gedenkstätte. Die verantwortungsbewusste Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte und die kritische Aufarbeitung der Vergangenheit war ihm, als höchst reflektiertem Menschen, stets ein Anliegen.

2001, kurz vor seiner Emeritierung, unternahm Christoph Valentien auf Einladung der Universität Nanjing zusammen mit seinen Studierenden eine erste Exkursion nach China. Er kehrte zutiefst beeindruckt zurück. Was er dort gesehen und erlebt hatte sollte für ihn noch einmal völlig neue Themen- und Handlungsfelder eröffnen, aber davon später mehr. 

Zu dieser Zeit war er schon 30 Jahre, gemeinsam mit seiner Frau Donata, im eigenen Büro Valentien + Valentien als erfolgreicher Landschaftsarchitekt und Stadtplaner tätig. Mit seinem Ruf an die TUM 1980 war auch das Büro 1982 von Stuttgart nach Weßling in Bayern übersiedelt.

Parallel zu seiner Lehre an der Universität, entstanden im Büro landschaftsplanerische, städtebauliche und objektplanerische Projekte auf den unterschiedlichsten Maßstabsebenen. Bereits 1993 gewann das Büro den städte- und landschaftsplanerischen Wettbewerb für den 1. Bauabschnitt der zukünftigen Messestadt-Riem, gemeinsam mit den Architekten Reiner-Weber-Hammer. Viele der Valentien-Projekte prägen das Stadtbild Münchens bis heute, wie in der Messestadt-Riem der große Grünzug, die große Promenade, kleine Quartiersplätze und der ‚Platz der Menschenrechte‘, der im Jahr 2005 fertiggestellt wurde. Für die TU in München gestalteten die Valentiens den mit Ginkgos überstandenen großen Baumplatz an der Theresienstraße. Gemeinsam mit dem Architekten Uwe Kiessler wurde der Alois-Alzheimer-Garten für die Münchner Rückversicherungsgesellschaft entwickelt.

Andernorts entstanden eindrückliche Planungen, wie 1999 die Außenanlagen des LfU Augsburg, die wichtige ökologische Belange mit architektonischer Klarheit verbinden, 2004 die Außenanlagen des Technisches Rathauses in Pordenone Italien mit einer sinnlich gestalteten Brunnenanlage, oder 2006 in Ludwigshafen die neue Rheinuferpromenade, welche den Fluss wieder zu einem lebendigen Teil der Stadtlandschaft machte. 2005-2006 erarbeitet das Büro die Masterplanung für das Kulturforum in Berlin. 2010 folgte dafür das Freiflächenkonzept dessen Umsetzung in zwei Realisierungsstufen eingeteilt wurde: Zuerst die Herbert-von-Karajan-Straße, der Gedenkort T 4, die Piazzetta, der Scharounplatz und die Eingänge und Außenbereiche von Philharmonie und Kammermusiksaal, sowie der Philharmonische Garten gebaut zwischen 2014 und 2019. In der 2. Realisierungsstufe wird der Matthäikirchplatz folgen.

Parallel entstand 2017, nach erfolgreich gewonnenem Wettbewerb, die Sanierung der Altstadt von Ochsenfurt.

Viele der Projekte der Valentiens wurden ausgezeichnet. Die Liste ist lang und hier seien nur einige erwähnt, wie der Fritz-Schumacher-Preis 1995, die Auszeichnung des Deutschen Städtebaupreises 2000 für den Platz der Menschenrechte und 2018, für Donata und Christoph Valentien der Bayerische Architekturpreis.  Noch im gleichen Jahr kam Tochter Dayana als Partnerin ins Büro Valentien + Valentien.

Christoph Valentien hat sich über seine Praxis und akademische Tätigkeit hinaus engagiert – sowohl als aktives Mitglied in der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL), als auch in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Gefördert hat er in diesem Rahmen nicht nur die Interessen des Berufsfelds, sondern stets auch den professionellen und akademischen Nachwuchs.

Aus dem anfänglich rein akademischen Austausch mit China im Jahr 2001, bei dem ihm eine Concurrent Professorship an der Nanjing Forestry University verliehen wurde, entwickelte sich dort, kurz vor dem Ende seiner Lehrzeit an der TUM, ein neues Tätigkeitsfeld. Nach einem erfolgreich gewonnenen Wettbewerb sollte er den Neuen Botanischen Garten Chenshan für Shanghai planen und verwirklichen. Mit dem Motiv des ‚Rings‘, auf dem man einen Weg durch die Vegetationstypen der Kontinente erwandern kann, erschuf er mit seinem Team in den Jahren 2005 bis 2010 ein herausragendes und preisgekröntes Projekt. Dies führte zu Einladungen bei zahlreichen weiteren Wettbewerben. Valentien reiste fortan regelmäßig nach China und lernte dort unterschiedlichste Landschaften und Menschen kennen. Stets kehrte er inspiriert aus dem ‚Land der Mitte zurück‘, das sich in jener Zeit - China war 2001 der WTO beigetreten - in einem großen Transformationsprozess befand. 

Es hat ihn fasziniert, diese andere Welt in China, die Besuche in historischen Gärten, die er für sich studierte, das Treffen mit Intellektuellen, wie Vertretern der Literatur, die ihn in ihre Zirkel einluden. Die vielen Begegnungen, die oft von dem so fantasievollen und hoch ästhetisch zubereiteten Essen begleitet wurden, das er so schätzte. Immer wieder kam er schwärmend aus China zurück. Es entstanden dort viele weitere Arbeiten, wie der DUC-Garten für das Goethe Institut auf der EXPO Chongqing 2011. Es folgte der Taihu Uferpark in Wuxi, 2012-15 mit Burger + Kühn und Molenaar und bis 2020 der Botanische Garten Taiyuan mit Delugan + Meissl und Bollinger + Grohmann. 

Valentien hat in all den Jahren seit 2001 auch den Wandel in China erlebt. Von der einstigen Öffnung gegenüber den Europäern war wohl bei seinen letzten Reisen immer weniger spürbar. Ein großes Buch dazu hat er noch begonnen, mit all seinen Arbeiten für den ‚Freiraum in China‘, wie er es vieldeutig betitelt hat.

All diese Aktivitäten in ihrer Chronologie zu verfolgen, macht einen bei der Lektüre fast atemlos und man fragt sich: wann hat er das alles gemacht? Wenn man Christoph Valentien begegnete wirkte er stets wie ein Reisender, immer unterwegs, immer interessiert und voller neuer Pläne und dabei doch ohne Hast. Bei Zusammentreffen entließ er einen stets mit einer neuen Idee oder einer schönen Schilderung aus seinem vollen Leben. So war es bis zuletzt. 

Er hat gemeinsam mit seinem Büro ein beachtliches Oeuvre geschaffen. Ein großes Werk, das es weiterzutragen gilt.

Text: Regine Keller

 

 

Die Deutsche Akademie für Landesplanung verliert mit Herrn Professor Valentien einen engagierten Architekten, akademischen Lehrer und liebevollen Kollegen, dem wir stets ein ehrendes Gedenken bewahren werden.

Die Landesvorsitzenden im Namen der Landesgruppe Bayern

 

Ulrike Klar

Robert Neuberger