Berlin - Rummelsburg
Belobigung
Rummelsburg2 und BerlinCampus

Entwurf Masterplan:
Prof. Klaus-Theo Brenner, Wasserstadt GmbH
Entwicklungsträger:
Wasserstadt GmbH
Die heutigen Quartiere „Rummelsburg 2“ und „BerlinCampus“, mit denen sich die Wasserstadt GmbH um den Deutschen Städtebaupreis 2008 bewirbt, sind beide Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts erstmals mit städtischen Einrichtungen bebaut worden. 1854 bis 1859 entstand auf dem 13 ha großen Gelände des heutigen Quartiers „Rummelsburg 2“ nach Plänen des Stadtbaurats Gustav Holzmann das Städtische Friedrichs-Waisenhaus. Von der Gesamtanlage sind noch die beiden westlichen Knabenhäuser am See sowie der heutige Medaillonplatz im Zentrum des Quartiers erhalten. Das Waisenhaus wurde im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Danach ist es bis 1994 als Kaserne genutzt worden. In dem benachbarten 10 ha großen heutigen Quartier „BerlinCampus“ entstand 1877 – 1879 nach Plänen des Stadtbaurats Hermann Blankenstein ein städtisches Arbeitshaus. Die im Pavillonsystem erbaute Anlage, bei der sich in der Anwendung von Backstein und sparsam eingesetzten Schmuckelementen der architektonische Formenkanon der Schinkelschule wiederfindet, wurde im Krieg nur gering zerstört. Von 1951 bis 1990 ist die Anlage als Gefängnis genutzt und dabei baulich stark überformt worden. Die Neu- und Umnutzung der beiden Quartiere ist heute bis auf einige wenige Baufelder abgeschlossen. Entstanden ist ein Mix aus Geschosswohnungsbau, Ufer- und Terrassenhäusern, sanierten Altbauten. Rund 200 städtische Reihenhäuser des Typs „Berlin Terrace“, manifestieren den Erfolg von Baugemeinschaften. Eingerahmt wird diese Bebauung von dem hier naturnahenUfergrünzug sowie dem Medaillonplatz der früheren Waisenhausanlage, der als Park zum Mittelpunkt des Quartiers „Rummelsburg 2“ wurde. Wiederhergestellt ist die Mittelpromenade des Quartiers „BerlinCampus“, die den früheren Wasserturm des Heizhauses als Dominante beherbergt und die in einer Grünfläche an die Grundrisse der früheren Anstaltskirche erinnert. Als die ersten Starterprojekte des Entwicklungsbereichs Rummelsburger Bucht realisiert wurden, war diese Entwicklung jedoch nicht absehbar. Im Rahmenplan von 1994 war für das Quartier Rummelsburg 2 eine bis zu zwölfgeschossige Bebauung vorgesehen. Der in „Rummelsburg 1“ realisierte geförderte Wohnungsbau sollte sich hier fortsetzen. Das Quartier „BerlinCampus“ wurde noch „Gerichtsgarten“ genannt. In ihm sollten das Verwaltungs-, Sozial- und Arbeitsgericht Berlins konzentriert werden. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage Berlins und der Zurückhaltung von Wohnungsbauinvestoren konnten diese Planungen nicht umgesetzt werden, so dass eine grundlegende Neuorientierung erforderlich wurde. Den Schlüssel des Erfolgs bildete dabei der Haustyp „BerlinTerrace“ und die Idee, diesen mit Baugruppen zu realisieren.
PDF mit der Tafel des Projektes
Wohnen in Gemeinschaft
Verfasser:
Beyer-Schubert Architekten, Berlin
Artist Village – Atelierhäuser mit Birkenhain
„Ein tiefes Schwarz entsteht nur, wenn gleichzeitig andere und insbesondere benachbarte Teile des Sehfeldes weiß oder grau erscheinen.“ Clark Poling: Kandinsky – Unterricht am Bauhaus, Weingarten 1982, S. 85
„Weiß ist wie ein Symbol einer Welt, wo alle Farben, als materielle Eigenschaften und Substanzen, verschwunden sind. Diese Welt ist so hoch über uns, dass wir keinen Klang von dort hören können.“ Wassiliy Kandinsky: Über das Geistige in der Kunst, München 1912, S.67
Am Ufer des Rummelsburger Sees entstanden in drei Bauabschnitten insgesamt 46 drei- und viergeschossige Atelierhäuser mit durchgehend 3m hohen Wohnräumen und wahlweise 4-6m hohen Atelierräumen. Die Wohnräume der Obergeschosse haben vertikale Schiebefenster, die Ateliers beidseitig großflächige Atelierfenster. Im Zwischenraum der Hauszeilen wird ein gemeinsamer, halböffentlicher Freiraum als Birkenhain mit privaten Erschließungsstraßen aufgespannt. Der Birkenhain wird durch die Eigentümer als Teil der privaten Grundstücksfläche für eine halböffentliche Durchwegung und Nutzung zur Verfügung gestellt.
New Rummelsburg - Achtung Spielstraße
„Es ist ganz wunderschön. Das Backsteinmauerwerk ist genau, wie es sein soll. Es ist wunderbar frei von allem Glatten und Dünnen. Ich denke dabei wirklich an Florenz.“ William W. Wurster, Dekan der School of Architecture and Planning, Sommer 1948
Insgesamt 71 giebelständige Reihenhäuser mit Dachterrassen, errichtet im Baugruppenverfahren, bilden den einprägsamen Straßen- und Stadtraum. Die Baugruppenmitglieder sind Familien mit Kindern. In den Wohnhäusern gibt es temporäre Arbeits- und Büroräume und flexibel abtrennbare oder durch Zusammenlegen erweiterbare Raumstrukturen. Die Freiräume werden in erster Linie von Kindern im Vor- und Grundschulalter als Spiel- und Kommunikationsorte erobert und geprägt, was sich mit dem Heranwachsen der Kinder verändern wird. Tiefrotes Backsteinmauerwerk schafft einerseits Gewichtigkeit und überrascht andererseits mit immer wechselnden Glanzeffekten. Die Zick-Zack-Linie der giebelständigen Reihenhäuser verzahnt sich wohltuend mit dem Himmel. Die gleichmäßigen Fassaden verbergen äußerst individuelle Wohnmodelle und Lebenskonzepte – Urbanität entsteht gerade dann, wenn sich die Verzicht auf private Gartenparzelle hinter dem Haus wird kompensiert durch den gemeinschaftlichen Hain zwischen den Atelierhäusern – ein kontrollierter Zwischenraum für das Spielen der Kleinkinder, gemeinsame Feste oder einfach nur als Liegewiese. Die Extreme der Farbentwicklung spiegeln Licht und Schatten, Wärme und Kälte, Massives und Leichtes und steigern sich im simultanen Helligkeitskontrast. Einläufige „Himmelstreppen“ führen hinauf zu den Dachterrassen, welche einen ungestörten Weitblick über Berlin ermöglichen. Der Rückzug auf die Kräfte der schwarz-weißen Farbleiter weist zu den Wurzeln unserer Moderne vor 100 Jahren: Die Atelierhäuser schöpfen aus dieser sachlichen Tradition, ohne sie zu imitieren und streben nach Einfachheit und Stille. Das Thema „Wohnen und Arbeiten“ in der Stadt wurde hier in unterschiedlichster Form nach den individuellen Wünschen der Bewohner realisiert, die Erdgeschosse geben Raum für die Arbeitsräume von Musikern, Restauratoren, Landschaftsarchitekten, eine Kunstgalerie und einen Weinladen. Verschiedene Einzelhäuser wurden mit Einliegerwohnungen geplant und realisiert.
