« zurück

Eisleben

Belobigung

Museum Luther-Geburtshaus

Eisleben - Martin Luther Gedenkstätte

Verfasser: Springer Architekten, Jörg Springer Architekt BDA, Berlin
Bauherr: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen Anhalt, Lutherstadt Wittenberg

Der Umbau des Geburtshauses Martin Luthers in Eisleben steht in einer Reihe sich wandelnder Interpretationen dieses Ortes. Er ist Teil einer Entwicklung, die spätestens 1817 mit der Errichtung der Armenschule als freistehendes Haus auf dem rückwärtigen Grundstücksteil einsetzte. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde die stadträumliche Situation entscheidend verändert. Ein weiterer Umbau des Ensembles 1864 auf Anregung Friedrich August Stülers vollendete die monumentalisierende Freistellung und objekthafte Überhöhung des Geburtshauses. Der vorerst letzte Eingriff in dieser Tradition will heute eine umfassende, museale Aufbereitung des authentischen Ortes und seiner Geschichte ermöglichen. Neben einer grundlegenden Instandsetzung des Geburtshauses ist die Errichtung zweier Neubauten wichtigster Bestandteil dieser Maßnahme:
Das Besucherzentrum mit Räumen für wissenschaftliche Mitarbeiter und eine regionale touristische Besucherinformation entlastet die historischen Gebäude und leistet zugleich einen entscheidenden Beitrag zur städtebaulichen Konsolidierung des Ensembles. Der kubische Teil dieses Neubaus schließt die traufständige Bebauung an der Halleschen Straße ab und verweist durch seine Höhe und durch das Zurückweichen von der Seminarstraße auf das nur ansatzweise sichtbare Geburtshaus. Der niedrigere Bauteil mit einem Satteldach gewährleistet die Einbindung des Hauses in den Straßenzug. Fassadenmaterial, Anordnung und Gestaltung der Öffnungen machen deutlich, dass es sich um ein Gebäudeganzes handelt und stellen den Zusammenhang mit dem Neubau des Ausstellungsgebäudes her. Das Ausstellungsgebäude nimmt den neuen Haupteingang des Museums auf und schafft die Voraussetzungen für einen Rundgang, der Geburtshaus und Armenschule einschließt. Durch den sinnfälligen zentralen Zugang zum Ensemble über den Neubau werden die drei zu verschiedenen Zeiten errichteten Gebäude schon beim Betreten des Hofes verständlich. Ähnlich wie die Armenschule wird auch der Neubau des Ausstellungsgebäudes als eigenständiges Objekt im Stadtgefüge aufgefasst. Zwei niedrigere Passstücke bewerkstelligen die Anbindung an Geburtshaus und Armenschule. Die Anordnung des Baukörpers im Hofraum, seine Materialisierung und die sehr zurückhaltende Gestaltung der Fassaden weisen ihm trotz seiner Eigenständigkeit die Rolle eines Hintergrundes für die historischen Gebäudes des Ensembles zu. Ähnlich wie die südliche Giebelfassade der Armenschule binden auch die Außenwände des Ausstellungsgebäudes die historischen Sandsteinmauern an der „Bösen Sieben“ und auf den alten Grundstücksgrenzen ein. Indem diese Mauern zu einem Teil des neuen Gebäudes werden, stellen sie die Eigenständigkeit des neuen Hauses im Stadtraum wieder in Frage: Der autonomen Geschlossenheit der nahezu symmetrischen Grundform steht die offenkundige Bindung an die eher zufälligen Formen der alten Mauern gegenüber. Es ist diese Ambivalenz zwischen einer eigenständigen, freien baukünstlerischen
Setzung unserer Zeit und der Gebundenheit an den in der Geschichte gewachsenen Ort, die das
gesamte Projekt charakterisiert.

PDF mit der Tafel des Projektes

Keine Kommentare.